Ausbildung im Handwerk ?! Ein Bericht unserer Auszubildende Helke Meyer

Okay, erstmal kurz zu meiner Person, zum besseren Verständnis.
Ich bin Helke Meyer, 19 Jahre alt und bin im dritten Lehrjahr bei der Tischlerei Albers. Meiner Meinung nach ist der Beruf des Tischlers der beste der Welt. Neuerdings werde ich immer häufiger angesprochen. Warum? Weil mittlerweile ziemlich viele Leute wissen, dass ich Tischlerin lerne. Allerdings mache ich seit Anfang des Jahres auch Werbung für unseren Beruf auf Berufsinformationstagen. Das hilft natürlich auch mit 🙂
Ich hab sie ja auch selber mitgemacht, diese  erufsinformationsgeschichten. Die Vocatium in Bremen, Zukunftstage, Ehemaligenbörsen, etc. Und vom Hocker gehauen hat mich das ehrlich gesagt wenig: Die Jobs, die mich interessierten (Handwerk), waren auf solchen Messen wenig oder
schlecht vertreten. Klar, die überall präsenten Aussteller, also Polizei und Bundeswehr, Vertreter von Krankenpflegediensten und so weiter, waren natürlich auf jeder Messe zu finden, aber das Handwerk fehlte manchmal sogar komplett.
Da muss sich echt noch eine Menge ändern. Dass wir Tischler eine ziemlich gute Internetseite für Interessierte haben → www.born2btischler.de , habe ich erst im ersten Lehrjahr erfahren. Während meiner Schulzeit stellte mich das natürlich vor ein Problem, denn mir war schon ziemlich
früh bewusst, dass ich einen Beruf erlernen möchte, bei dem ich abends sehen kann, woran ich den ganzen Tag gearbeitet habe. Ich habe dann aber glücklicherweise auf der Berufsinformationsbörse in Syke meinen jetzigen Chef kennengelernt. Da wir beide uns gerne unterhalten, hat die darauf
folgende Konversation etwas über eine Stunde angehalten. Danach war für mich klar, dass ich Tischler werden will. Ich habe Praktika bei mehreren Tischlereien gemacht, bei denen sich mein Berufswunsch noch verfestigt hat.
Da ich aber weiß, dass das ein glücklicher Zufall war, finde ich es wichtig, Schüler darüber zu informieren, was man eigentlich als Tischler macht.
Wenn man zum Beispiel ein paar Achtklässler vor sich stehen hat, und diese dann fragt, was ein Tischler so den ganzen Tag macht und als Antwort „Macht ihr nicht so was mit Dächern?“
bekommt, frage ich mich schon, was da schiefläuft. Wenn ich daraufhin von meinem Arbeitsalltag erzähle, merke ich oft, dass junge Leute einfach ein falsches Bild vom Handwerk haben. Oft stellen sie sich den Beruf als Tischler so vor: genauso langweilig wie Werkunterricht, dazu ein
bisschen Ikea-Regale zusammenbauen und ein wenig an der Kreissäge sägen und generell ist alles immer sehr dreckig.
Dass das nicht zutrifft, und das Handwerk durch diese Denkweise richtig Nachwuchsprobleme hat, ist ein großes Problem. Tausende Lehrstellen in den gut 130 Handwerksberufen bleiben jedes Jahr offen, Tendenz steigend. Und wenn sich da in den nächsten Jahren nicht was ändert, haben wir
spätestens in 20 Jahren, wenn langsam die Generation Babyboomer in den Ruhestand geht, ein richtiges Problem.

 

Jeder braucht einen guten Handwerker,

aber irgendwie will es keiner mehr lernen. Woran das liegen kann weiß ich nicht.
Handwerk ist mitnichten einfach, etwas passend zu bauen ist eine Kunst, dass wir mit großen CNC (Computerized Numerical Control) Fräsen arbeiten und Werkstücke in drei Dimensionen am Computer oder per Hand zeichnen, daran denken die Meisten nicht. Deshalb ist es wichtig, sich richtig zu informieren und nicht einfach mit irgendwelchen Vorurteilen in die Berufsfindung zu gehen.
Der Beruf des Tischlers ist ein unglaublich kreativer, fordernder Beruf. Man kann sich selbst verwirklichen und erlebt jeden Tag etwas Neues.
Auch Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es zahlreiche. Man kann natürlich den Meister- oder Technikertitel erwerben, aber auch ein Studium zum Innenausbauer, Architekt, Designer, Holzwirt, Restaurator etc. ist mit einer Tischlerausbildung möglich. Das ist jetzt die Kurzfassung dessen, was ich den Schulkindern, Abiturienten und Praktikanten erzähle, wenn sie mich am Telefon, per Whatsapp, in der Pause bei der Arbeit oder auf irgendeiner Berufsinformationsbörse fragen, warum ich Tischlerin geworden bin. Also informiert euch, macht Praktika, und vor allem sucht euch Betriebe aus, die zu euch passen. Guckt euch verschiedene Firmen an, Tischlerei ist nicht gleich Tischlerei, es gibt verschiedene
Schwerpunkte und Möbeltischler ist schon etwas anderes als Bautischler.
Wenn ihr euch für den Beruf interessiert dann empfehle ich außer
www.born2btischler.de auch die Seite der Tischlerinnung Diepholz
www.tischlerinnung-diepholz.de Dort kann man die Anschriften von den Firmen finden, die wir im Landkreis Diepholz haben, außerdem gibt es dort noch weitere Informationen. Wer dann noch Fragen zum Thema hat, der kann uns auch gerne anschreiben.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und hoffe, ich konnte ein wenig über unseren Beruf informieren. 😉

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